www.Mammographiescreening.org

Hinweise zum Projekt der Kassenärzlichen Bundesvereinigung Deutschland
 von Michael Venator, Bergisch Gladbach

Startseite Fakten

Empfehlungen

Impressum
zurück
Ein weiterer Kritikpunkt am neuen Mammographiescreeningkonzept ist sehr technisch, ohne Vorkenntnisse schwer nachvollziehbar.

Die Abklärungsdiagnostik im Screening (Rate der auffälligen Fälle) ist vorgegeben. das heißt, die Screeningärzte dürfen allerhöchstens 5% (erste Runde 7%) aller teilnehmenden Frauen (genau siehe unten) zu Zusatzaufnahmen, Ultraschall etc. wieder einbestellen, um zu sehen, ob hinter einer Auffälligkeit etwas Bösartiges oder doch nur eine harmlose Variante steckt - gleichgültig, was ihnen wirklich auffällt!

Der Grund für diese Begrenzung ist einerseits finanzieller Natur.  Jede wieder einbestellte Frau bedeutet Kosten. Andererseits ist jede Abklärung für die betroffenen Frauen eine Belastung, die man gering halten will. Daher ist üblich, als Qualitätsmaßstab grundsätzlich sinnvolle Höchstgrenzen zu setzen.

Was ist nun das Besondere des deutschen Screening? Man arbeitet ohne klinische Voruntersuchung, die falsch zum Screening gekommene Frauen vorgefiltert hätte. Ohne solchen Vorfilter braucht man grundsätzlich mehr Abklärung, mehr Sicherheit.

Eine ganz neue Arbeit lässt zweifeln, ob die deutschen Vorgaben überhaupt sinnvoll sind.
Diese Arbeit von Gur und Kollegen in der Zeitschrift Cancer im April 2004 veröffentlicht, prüft den Zusammenhang zwischen Krebsentdeckung und Abklärungs-Vorgaben. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Zahl der entdeckten Krebsfälle von 7% Abklärungsrate bis zu einer solchen von 17% deutlich zunimmt (etwa linear proportional). Niedrigere Raten, wie in Deutschland vorgesehen, gibt es gar nicht, da in den Augen der Autoren nicht ausreichend.

Die  Qualitätsvorgaben des BI-RADS™ des American College of Radiology setzen den Wert auf 10%.(Allgemein als die international führende Publikation zur Bilddiagnostik  der weiblichen Brust anerkannt.)

Das deutsche System geht einen Kompromiss ein, der die Kosten niedrig hält,  möglicherweise aber zu vermindertem Nutzen führt. (allerdings in formalem Einklang mit  Europäischen Vorgaben, die aber für echte Screening-Situationen gedacht sind mit sauberer Vorauswahl von Symptomträgern).

Für den Außenstehenden ist sicher schwer vorstellbar, dass man die Zahl der Verdachtsfälle quasi "willkürlich" und "beliebig" wählen kann.

Die Erklärung liegt in der unspezifischen Erscheinung vieler Tumoren. Nur selten zeigen sie sichere Krebszeichen. Oft zeigt sich nur eine mehr oder weniger geringe Abweichung von der Norm. Je nachdem, welches Ausmaß der Abweichung der Arzt noch für normal erklärt, bestimmt er die Zahl der abzuklärenden Fälle und damit letztendlich auch die Zahl der entdeckten Krebse.
 

zitiert nach
Anlage 9.2 zum Bundesmantelvertrages Ärzte vom 12.12.2003:
Versorgung im Rahmen des Programms zur Früherkennung von Brustkrebs durch Mammographie-Screening,
hierin Anlage 10, Zeilen 10 und 11:

Anteil der Frauen, bei denen die Indikation für die Abklärungsdiagnostik festgestellt wurde und die zur Abklärungsdiagnostik eingeladen wurden

Erst-Screeningrunde Mindestanforderung   < 7% empfohlen   <  5%
Folge-Screening-Runde Mindestanforderung   < 5 % empfohlen   <  3 %
zum Vergleich:
BI-RADS™ -Empfehlung                          <10 %
zurück zum Seitenanfang