www.Mammographiescreening.org

Hinweise zum Projekt der Kassenärzlichen Bundesvereinigung Deutschland
 von Michael Venator, Bergisch Gladbach

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Deutschland wird ein aufwendiges Mammographie-Screening bekommen, gleichzeitig wird ein großzügiges klinisches Vorsorgeangebot (Tastuntersuchung und Beratung) beibehalten.

Beides ist lobenswert.

Aber: Beides läuft völlig isoliert nebeneinander her, eine Untersuchungschiene weiß nichts von der anderen. Die Ergebnisse werden nicht ausgetauscht und verglichen. Zur Mammographie wird eingeladen, zur klinischen Vorsorge aber nicht.
Dies ist für den Kenner völlig unverständlich.

Denn: Die Mammographie ist dramatisch besser, wenn sie mit einer klinischen Untersuchung kombiniert wird. Diese Binsenweisheit kennt jeder Arzt, der Mammographien beurteilt. Dies gehört zur Grundausbildung der Radiologen, ist so selbstverständlich, dass es in speziellen Lehrbüchern schon gar nicht mehr extra erwähnt wird.

Warum?

Man schaut die Mammographie mit anderen Augen an, wenn man weiß, dass und wo etwas  zu tasten war oder dass das Tasten schwierig zu beurteilen war (kommt gar nicht so selten vor). Andererseits wird man Herde im Röntgen anders bewerten, wenn das Tasten eine plausible Erklärung liefert. Dabei steht Tasten stellvertretend für eine klinische Untersuchung, die ja auch das Gespräch mit der Frau einschließt. Auch hierdurch gibt es oft schlagartig Klarheit. Und - manches ist nur tastbar!

Die weltweit mittlerweile als Grundlage für eine zeitgemäße Mammographie-Beurteilung führende BI-RADS™- Publikation des amerikanischen Ausbildungsinstituts für Röntgenärzte (ACR) schreibt dazu (zitiert nach der offiziellen deutschen Übersetzung, hrsg. im Auftrag der Deutschen Röntgengesellschaft):

"Obwohl durch die Mammographie die Mehrheit der Brustkrebserkrankungen aufgedeckt werden kann, gibt es einige, die nicht sichtbar werden, aber möglicherweise tastbar sind. Deshalb muss die Tastuntersuchung ein wichtiger Bestandteil des Screening sein." (S.4)

und an anderer Stelle nochmals und noch klarer:

"Da mit der Mammographie nicht alle Karzinome entdeckt werden können, stellt die klinische Untersuchung immer ein Schlüsselelement der Früherkennung dar."(S.61)

Der Arzt, der die Mammographie beurteilt, muss Kenntnis der klinischen Situation haben! Ergebnisse von klinischer Untersuchung und Mammographie müssen abgeglichen werden.

Deutschland gibt viel Geld für etwas aus, dass durch geringe Änderung der Organisationsstruktur von etwas Mittelmäßigem zu etwas Erstklassigem werden könnte.

Übrigens:
Wie viel wir durch schlechte Organisationsstruktur übersehen, ist schwer vorherzusagen, da für Deutschland natürlich noch keine Daten vorliegen können. Ganz aktuell hat eine Niederländische Arbeitsgruppe (Ernst u. andere) solche Zahlen veröffentlicht. Sie sind gut vergleichbar, da das deutsche System dem Niederländischen nachempfunden ist, die Organisation ist praktisch identisch. Man hat in der Arbeit untersucht, wie viele Krebsfälle in der Altersgruppe der Screeningberechtigten durch das Screening entdeckt wurden und wie viele zwischendurch. Insgesamt hat man in der ausgewerteten Periode (Vollinstallation des Screening  von 1997 bis 1999) 115  Krebsfälle entdeckt, davon nur 68 im Screening, die übrigen 47 auf andere Weise!! (Nicht invasive Krebs-Vorstufen waren in der Auswertung ausgeklammert)

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